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Ratsnachrichten

Aus der Gemeinderatssitzung vom 13. September

Ausführlicher Sitzungsbericht:

Eisingens Ortsmitte wird sich verändern – leerstehendes altes Hofanwesen soll „Leben am Königsplatz“ mit Wohnungen für Senioren und Tagespflegeeinrichtung weichen

Am „Königsplatz“ in Eisingens Mitte wird sich das Ortsbild in absehbarer Zeit merklich verändern. In der Luft lag es schon lange, nun wurde es in der ersten Sitzung des Eisinger Gemeinderates nach der Sommerpause in Gestalt eines Baugesuches konkret: Die Hofanlage an der Waldstraße 1 bis 3 mit ihrer großen Fassade zur Pforzheimer Straße hin soll abgerissen werden. An ihrer Stelle soll auf dem rund 11,1 Ar großen Grundstück unter dem Motto „Leben am Königsplatz – Altersgerechtes Wohnen“ eine Wohnanlage für Senioren entstehen, wie Architekt Wolfgang Metzenbauer von der das Vorhaben planenden „Gesellschaft für Projektentwicklung im Bauwesen mbH“ aus Pforzheim in der Sitzung erläuterte. Geplant sind 24 Wohneinheiten für ein „Wohnen mit Service“, überwiegend zu anderthalb und zwei Zimmern im ersten und zweiten Obergeschoss sowie im Dachgeschoss. Gebäudes. Eine Tagespflegeeinrichtung soll im Erdgeschoss angesiedelt werden. Unter dem Gebäude ist eine Tiefgarage mit 14 Kfz-Stellplätzen, Fahrradabstellplätzen und Kellerabteilen geplant. Weitere fünf oberirdische Stellplätze sind auf der zum Vorhaben gehörenden Grundfläche vorgesehen. Bereits im Juli hatte das Landesdenkmalamt dem vom privaten Investor beantragten Abbruch des teilweise denkmalgeschützten Fachwerkgebäudes aus dem 18. Jahrhundert zugestimmt. Jetzt war das Einvernehmen des Gemeinderates wegen einer Reihe von kleineren Befreiungen und Ausnahmen von den Bauvorschriften gefragt. In verschiedenen Stellungnahmen von Ratsmitgliedern wurde deutlich, dass es nicht einfach fällt, sich von dem historischen Gebäude zu verabschieden. „Es ist jedem hier bewusst, dass hier ein über Jahrhunderte ortsbildprägendes Anwesen verschwindet“, erklärte Bürgermeister Thomas Karst in seiner einführenden Vorbemerkung. Allerdings stehe das Anwesen Waldstraße 1 bis 3 seit Jahren leer und werde vom jetzigen Eigentümer bereits seit langer Zeit zum Verkauf angeboten. Ein Großteil des Anwesens beinhaltet landwirtschaftliche genutzte Räume, also Stallungen und Lagerräume. Eine landwirtschaftliche Nutzung an dieser Stelle sei jedoch nicht weiter vorstellbar. Die beiden Wohnhäuser befinden sich im sanierungsbedürftigen Zustand. Eine wirtschaftliche Sanierung unter Erhaltung der denkmalgeschützten Fassade erscheine nicht möglich, entsprechende gutachterliche Stellungnahmen hierzu seien vorhanden. Die einzige Alternative zu einer Übernahme durch einen privaten Investor mit Abriss und Neubau wäre derzeit nur, dass die Gemeinde das Gebäude erwerbe. Aber, so der Schultes: Auch für die Gemeinde wäre eine wirtschaftliche Sanierung nicht zu realisieren und aufgrund anderer Priorisierungen seien derzeit keine Haushaltsmittel im Millionenbereich vorhanden, um eine Sanierung und Weiternutzung in welcher Form auch immer voranzutreiben. Das allerdings würde bedeuten, dass das Gebäude weiterhin über Jahre leerstehen und verfallen würde und zudem Kosten für die Verkehrssicherungspflicht entstünden. „Als Verwaltung und Gemeinderat haben wir in der Vergangenheit immer wieder betont, dass es unser Interesse sein muss, dass aus dem Anwesen etwas Vernünftiges gestaltet wird, und zwar im Erscheinungsbild und in der Nutzung“, betonte Thomas Karst. Sowohl die Nutzung für ältere Menschen, die praktisch alles Benötigte im Umkreis fußläufig erreichen können, als auch das wertige Erscheinungsbild mit aufgelockerten Dachflächen und Fassade fanden im Gemeinderat positive Aufnahme. „Wir bauen langfristig und nachhaltig“, betonte Architekt Wolfgang Metzenbauer. Den beantragten Befreiungen, darunter die Überschreitung der festgesetzten Firsthöhe bei einem Giebel um 1,73 Meter und Ausnahmen, etwa die Ausführung eines Teilbereiches des Dachgeschosses als Flachdach, stimmte der Gemeinderat zu. Wichtig war den Gemeinderäten, dass die neue Nutzung nicht zu einem Verlust von öffentlichen Parkplätzen und zu keinem Übermaß an zusätzlichem Verkehr für die Anwohner führt und das Einvernehmen mit den Nachbarn gesucht werde.

Die Tage des großen Hofanwesens in Eisingens Ortsmitte am „Königsplatz“ sind wohl gezählt: Das Landesdenkmalamt hat dem Abrissantrag der Planer zugestimmt, und der Bauantrag für den Neubau einer Seniorenwohnanlage ist auf den Weg gebracht. (Rechts: Abzweigung zur Waldstraße, vorne: Pforzheimer Straße).   Foto: Schott

 

Investitionen auf dem Friedhof

Erfolgreich abgeschlossen wurden jetzt zwei größere Investitionsprojekte auf dem Eisinger Friedhof. Für rund 70.000 Euro wurde die Aussegnungshalle saniert. Das Gebäude, in der Mitte des Friedhofs gelegen, hat ein komplett neues Dach erhalten. Die Dachentwässerung wurde an das allgemeine Kanalisationsnetz angeschlossen, was bisher nicht der Fall gewesen ist. Das Niederschlagswasser war letztlich neben dem Gebäude im Boden versickert. Das hatte zu Feuchtigkeitsschäden am Fundament und an der Fassade geführt, die im Zuge der Sanierung nun umfassend beseitigt wurden. Die Aussegnungshalle wurde innen wie außen neu gestrichen und erhielt zudem eine Außenbeleuchtung. Östlich neben der Halle wurde nun auch das Gräberfeld für Urnenerdbestattungen fertiggestellt. Es bietet Platz für 34 Urnenbeisetzungen, ist für die Friedhofsarbeiten über einen Fahrweg zu erreichen und hat zudem eine Entnahmestelle zum Gießen. Im neuen Gräberfeld erfolgte in diesen Tagen bereits die erste Belegung. Direkt neben Aussegnungshalle befindet sich ein Platz mit mehreren Containern zur Aufnahme von Friedhofsabfällen, wie abgeräumten Grabschmuck. Ein Containerplatz in dieser Größe und in zentraler Lage wird benötigt. Allerdings stellt er bei Trauerfeiern in der danebengelegenen Aussegnungshalle keinen schönen Anblick dar, wird seit längerem beklagt. Jetzt wird Abhilfe geschaffen: Mit zwei Toren vor den Containern wird auf praktikable Weise ein Sichtschutz geschaffen. Die Friedhofsbesucher können so weiterhin ihre Abfälle entsorgen, und der Bauhof unproblematisch die gefüllten Container leeren. Der Eisinger Gemeinderat stimmte in seiner jüngsten Sitzung den hierfür erforderlichen Schlosserarbeiten im Volumen von rund 5.100 Euro zu.

 

Grundlegend saniert wurde die Aussegnungshalle (links im Bild). Vor die drei Abfallcontainer im Hintergrund soll nun ein Sichtschutztor kommen.   Foto: Schott

 

 

Weitere Straßenlampen werden auf LED-Technik umgestellt

Ebenfalls zugestimmt wurde dem Vorschlag der Verwaltung, die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik weiter voranzutreiben. Nach der Umstellung der historischen Leuchten  im Ortskern im Frühjahr 2017 und der im Mai abgeschlossenen Umrüstung der Straßenbeleuchtung im Waldpark sind im Eisinger Ortsgebiet nun noch 82 Leuchten vorhanden, die noch mit den herkömmlichen Natriumdampf-Leuchtmitteln betrieben werden. Die befinden sich mehrheitlich im Neubaugebiet „Spitzäcker“. Da man die Energieeinsparung durch LED nutzen möchte, die Leuchten jedoch nach Alter und Zustand noch nicht zu ersetzen sind, sollen diese durch sogenannte „LED-Plug-Ins“ für eine Übergangszeit von maximal zehn Jahren ersetzt werden. Angesichts einer Energieeinsparung von 4.182 Euro bei den betroffenen 82 Lampen, werden sich die Umstellungskosten von rund 8.500 Euro bereits in gut zwei Jahren amortisiert haben, weshalb sich die Übergangslösung auf jeden Fall lohne, zeigte die Gemeindeverwaltung auf. Mit dieser Maßnahme ist dann die gesamte Straßenbeleuchtung in Eisingen auf LED-Technik umgestellt.

 

Ausschreibung wegen zu teuren Angebots aufgehoben

Aufgehoben wegen zu hoher Kosten hat der Eisinger Gemeinderat die Ausschreibung zur Befahrung des Abwasserkanalnetzes der Gemeinde, um dabei etwaige Schäden festzustellen. Fünf Firmen waren im Rahmen einer sog. „beschränkten“ Ausschreibung angefragt worden, lediglich eine hatte ein Angebot abgegeben. Dieses lag mit 142.000 Euro um mehr als 70 Prozent über der Kostenberechnung von rund 80.000 Euro. Sich dermaßen das Geld aus der Tasche ziehen lassen wollte man in Eisingen nicht. Daher nutzte der Gemeinderat die gesetzliche Möglichkeit und hob diese Ausschreibung auf. Man will nun in einem neuen Verfahren mit einer öffentlichen Ausschreibung versuchen, günstigere Preise zu erzielen.

Text und Fotos: Schott