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Die Kelter von 1556

Die Eisinger Gemeindekelter

Die Eisinger Gemeindekelter

Da vermutlich bereits die Römer auf unserer Gemarkung Wein anbauten, ist unsere alte Kelter mit Sicherheit nicht der erste Kelterbau in Eisingen. Wo diese Vorgänger standen, ist nicht bekannt.

Von außen

Die Kelter hat einen massigen Unterbau mit Eckquadern. Die Südmauer (an der Kelterstrasse) wird durch zwei stattliche Strebepfeiler gestützt. Der Oberbau ist Fachwerk. Ein mächtiges Krüppelwalmdach gibt dem Bau mit den Außenmaßen von 19,9 auf 13,5 m ein trutziges Aussehen. Die beiden Anbauten an der Ostseite sind das Weinhäusle und das Kelterhäusle. Beim Eingangstor befindet sich ein erhöhtes Podest. Von hier aus überwachte ein herrschaftlicher Zehnteinnehmer gewissenhaft die gekelterte Weinmenge, von welcher der Zehntwein abzugeben war. Dieser Wein wurde im Weinhäusle bis zum Abtransport zur herrschaftlichen Kellerei aufbewahrt.

Von innen

Im Inneren wird das mächtige Gebälk von zwei Holzsäulen getragen, die auf steinernen Sockeln ruhen, von denen der vordere die Jahreszahl 1557 trägt. Der Boden des Kelterraumes war früher  aus gestampftem Lehm und ist heute aus Sandsteinpflaster.
Das Niveau des Kelterraumbodens liegt tiefer als der längsliegende Teil des oberen Kelterplatzes. Die Platzhöhe entspricht der Höhe des "Bietes" (Preßtisch der Kelter). Von den beiden oberen Eingangstoren führt ein hölzernes Podest direkt zu den Kelterbäumen und dem Biet. Der Höhenunterschied zum Boden des Kelterraumes wird über eine Treppe ausgeglichen. Das Arbeiten mit dieser Höhendifferenz ermöglichte es, die Maische direkt auf das Biet zu tragen.

Die Technik

Der Preßtisch hat die Aussenmaße von 3,45 auf 2,34 m und die Innenmasse 2,90 auf 2,10 m. In das Preßtischbett wurde die Maische aufgeschüttet und mit Brettern abgedeckt. Danach wurden kreuzweise Hölzer bis zur Höhe des Kelterbaumes aufgeschichtet. Ein Kelterbaum besteht aus vier mit Holznägeln und Klammern zusammengehaltenen Eichen. Er ist ca. 10 1/2 m lang und 72 x 85 cm stark. Eine 5,65 m hohe Spindel steht mit drei aufeinandergelegten Gewichtsteinen von insgesamt ca. 8 1/2 Tonnen in Verbindung. In Anwendung des Hebelgesetzes kann so ein Preßdruck von bis zu 52 1/2 Tonnen auf den Preßtisch erreicht werden. Dazu mußten 6 bis 8 Personen so lange an der Spindel drehen, bis die Steingewichte frei am Kelterbaum hingen. Der seitlich austretende Treber wurde mit einem Torkelmesser behauen und wieder aufgeschüttet. Durch die mehrfache Wiederholung dieses Vorganges dauerte es bis zu 4 Stunden, bis aller Most durch eine Öffnung an der Seite des Preßtisches durch ein Sieb in die Stande geflossen war.

Zahlen

Um 1700 war das Keltergebäude mit seinen damals 3 Kelterbäumen erneuerungsbedürftig. Fast jährlich mußten Reparaturarbeiten vorgenommen werden. Der vierte Kelterbaum kam vermutlich 1744 in die Kelter. Im Jahre 1759 begann man mit dem Bau des Kelterstübles. Der Bau war notwendig geworden, weil der Holzverbrauch im Herbst in der Kelter zu groß und das Feuer mitten in der Kelter ohne Kamin zu gefährlich war. 1776 ging einer der Kelterbäume zu Bruch, der dann 1777 ersetzt wurde. Der neueste Kelterbaum ist der erste vom Eingang aus gesehen aus dem Jahr 1903. Bis 1949 wurde in diesem ehrwürdigen Gemäuer noch gekeltert. Seit diesem Jahr steht den Eisinger Winzern in der Waldstrasse eine neue Kelter zur Verfügung.