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Die Glocke von 1493

In dem Kirchturm, der seit 1380 in nahezu unveränderter Form Mittelpunkt des über Jahrhunderte reinen Bauerndorfes Eisingen ist, findet der Besucher nach kurzem Aufstieg ein Denkmal besonderer Art.

Die Glocke

Sie ist sicher eine der ältesten Glocken des weiteren Umkreises, ja ganz Badens. Am Glockenmantel befindet sich auf der einen Seite die Madonna auf der Mondsichel und auf der anderen Seite St. Cyriakus als Diakon mit Buch und Palmzweig als jeweils vollplastisches Relief. Die Bronzeglocke hat eine Höhe von 104 und einen Durchmesser von 105 cm. Sie wiegt ca. 670 kg. Am Hals trägt sie die Inschrift in gotischen Minuskeln: - sant - ziliacus - glock - heis - ich - peter - zur - glocken - zu - Spier - gos - mich - Anno - dni - m - cccc - xciii - jar -

Peter zur Glocken

Keiner weiß, wann er geboren wurde - wann er starb. Bekannt ist nur, dass er in Speyer wirkte. Man vermutet, dass er ein Sohn von Hans zur Glocken war, der 1452 zusammen mit Otto von Lautern das Geläut für den Speyrer Dom gegossen hat. Geblieben ist nur sein Werk und das nun bereits seit über 500 Jahren. Peter wurde erstmals 1470, gemeinsam mit Jörg von Spir, auf einer Glocke für Leimen genannt. Außer der Eisinger Glocke sind von ihm bekannt die Beatrixglocke in St.Emmeran zu Mainz, die Totenglocke in Horchheim, die Osannaglocke in Horchheim, eine Glocke unbekannten Namens in Monzingen, eine Glocke für St. Gallus in Ladenburg, die Vesperglocke in Maulbronn und die Margarethenglocke in Nieder-Ramstadt. Ab 1508 arbeitete der Meister in Straßburg, dann verläuft sich seine Spur. Lediglich zwei der oben genannten Glocken existieren noch und nur die Eisinger Cyriakus-Glocke hängt noch heute an ihrem ursprünglichen Platz.

Cyriakus

Bis ca. 850 war der Heilige nördlich der Alpen kaum bekannt. Im Jahre 847 gelangten Reliquien des Cyriakus in die Nähe von Worms. Der Ort trug fortan den Namen Neuhausen. Von Neuhausen erfuhr der Cyriakus-Kult eine sehr rasche Verbreitung. Auch das Lorcher Kloster errichtete dem Heiligen Kirchen. Doch auch dem Dom der Diözöse Speyer haftete die Verehrung an. Gerne wurde der Heilige immer wieder als Diakon dargestellt, mit einem Drachen oder einem Dämonen zu seinen Füßen - oft auch als Almosenspender. Aus seiner Leidensgeschichte heraus ist es verständlich, dass er als Patron der Zwangsarbeiter gilt. In erster Linie ist er jedoch Schutzpatron der Geistes- und Nervenkranken. Man ruft ihn an bei schweren Krankheiten, wo man annimmt, dass Dämonen mit im Spiel sind. Gerade darum wurde er wohl unter die 14 Nothelfer aufgenommen. In der Pfalz schmücken die Winzer das Gnadenbild mit den ersten Trauben und bitten damit um eine gute Ernte. Am 08. August ist der Festtag des heiligen Märtyrers Cyriakus.

Eisingen um 1493

Amerika war gerade entdeckt, die Erde noch der Mittelpunkt der Welt und für die nicht ganz 300 Einwohner des kleinen Dorfes im Pfinzgau war Ysingen Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens. Christoph I. war Markgraf von Baden. Nachdem er noch 14 Jahre zuvor letztmals in den Urkunden des Klosters Lichtenthal auftauchte, gehörte Eisingen zu jener Zeit kirchlich zum Arichidiakonat St. German zu Speyer. Zu dieser Zeit waren Hexenprozesse noch an der Tagesordnung. Zwei Bürgern Eisingens, Anna Nockin und einer alten Hebamme unbekannten Namens, wurde 1491 der Prozeß gemacht. Sie endeten wohl wie viele zu jener Zeit auf dem Scheiterhaufen in Durlach. Noch war ganz Eisingen in badischer Hand. Pfarrer war vermutlich Jacob Ysinger und Schultheiß Heinz Steynmar.